Wahlpflichtfächer und fakultative Wahlfächer

Die vom Institut angeboteten Wahlfächer werden von den Institutsmitarbeiter:innen sowie den Lehrbeauftragten und in Kooperation mit anderen Institutionen und Abteilungen abgehalten. Jedes Semester werden folgende Wahlfächer angeboten: Allgemeinmedizin, Evidenzbasierte Medizin, Geriatrie, Praxisgründung und hausärztliche Fertigkeiten. 

Darüber hinaus werden folgende fakultative Wahlfächer angeboten: Balint und Medizin trifft Recht

Wahlfach Allgemeinmedizin

In diesem Wahlfach werden wichtige Aspekte der Allgemeinmedizin praxisnah behandelt. Dieses Wahlfach bietet den Studierenden die Möglichkeit, ihre klinischen Fähigkeiten zu verbessern und wichtige Kenntnisse für ihre zukünftige ärztliche Tätigkeit zu erlangen.Die sechs Termine umfassen folgende Themen:

  1. Einleitung, Krankschreiben, Liebeskummer, Lungenembolie - Fakten, Fälle, Fotos
    • Dieser Kursteil ist geprägt von Kasuistiken und wichtigen alltäglichen Aufgaben wie Krankschreiben und Umgang mit emotionalen Problemen in der Praxis.
  2. Umgang mit Fehlern in der Praxis
    • Strategien zur Fehlerbewältigung und Fehlerpräventionim Hinblick auf Arzthaftungsfälle in der ärztlichen Praxis (mit Fallbeispielen).
  3. Endlich Ärztin/Arzt - Facharzt für Allgemeinmedizin und Praxisgründung
    • Schritte zur Spezialisierung als Fachärztin/arzt für Allgemeinmedizin und Grundlagen zur erfolgreichen Praxisführung.
  4. Die allerhäufigsten Beratungsursachen
    • Leitliniengerechte Herangehensweise an häufige Beratungsanlässe in der Hausarztpraxis.
  5. Hausärztliche Gesprächsführung
    • Effektive Kommunikationstechniken und Gesprächsführung speziell in der hausärztlichen Praxis.
  6. Kinder in der Hausarztpraxis 
    • Besonderheiten der Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der Hausarztpraxis und Abschlussreflexion.
Wahlfach Evidenzbasierte Medizin

Evidenzbasierte Medizin - ist der vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten.

Vor dem Hintergrund des exponentiellen Zuwachses an medizinischem Wissen ist es eine große Herausforderung, die Informationsflut sinnvoll zu sortieren und Publikationen richtig und rasch zu verstehen. Strategien, um mit dieser Informationsflut adäquat umzugehen und die Qualität der Informationen besser einschätzen zu können, werden daher immer mehr zur Kernkompetenz einer modernen Ärztin bzw. eines modernen Arztes.

Mit diesem Seminarangebot wollen wir Ihnen diese Strategien vermitteln, so dass Sie lernen, klinische Studien kritisch zu reflektieren. Darüber hinaus zeigen wir die Bedeutung von Wissenschaftlichkeit für das medizinische Handeln und im Hinblick auf die Organisation im Gesundheitswesen auf. Das erworbene Wissen können Sie gleichzeitig gut für die Doktorarbeit  - sowohl für die Planung als auch für das Schreiben selbst - einsetzen.

Wahlfach Geriatrie

"Die demographischen Veränderungen unserer Gesellschaft verlagen gerade auch von den Hausärzt:innen, dass sie sich verstärkt um die Probleme des Alterns und des Alters kümmern müssen.
Das Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung an der TU München bietet daher interessierten Studierenden ein Wahlpflichtfach "Der ältere Patient beim Hausarzt", um geriatrisches Grundwissen praxisnah kennen zu lernen."

Das Wahlfach Geriatrie findet jedes Semester statt und umfasst einen Seminartag und eine zweitägige Exkursionen.

Das Thema "Der Hausarzt und seine älteren Patienten" wird auf der Exkursion im Zentrum für Altersmedizin der Sozialstiftung Bamberg in Kleingruppenarbeit nach dem Prinzip des multiprofessionellen geriatrischen Teams detailliert aufgegriffen.
Themen sind unter anderem die Patienten im stationären und häuslichen Umfeld, die Patienten mit kognitiven Störungen, mit Sprach- und Schluckstörungen sowie mit Sturzgefährdung. Die Erfahrungen aus der Kleingruppenarbeit werden im Anschluss ausgetauscht und diskutiert.

Wahlfach hausärztliche Fertigkeiten (Famulatum)

Das Wahlfach "Hausärztliche Fertigkeiten“ bietet den Studierenden schon frühzeitig ergänzend zur theoretischen Ausbildung im Studium, die Möglichkeit, die wichtigsten praktischen Fähigkeiten frühzeitig zu erlernen. Diese sehr gezielte Vorbereitung unter Anleitung der Hausärzt:innen und mit den „flachen Strukturen“ des Peer-Teachings verschaffen den Teilnehmenden deutliche Vorteile im Hinblick auf die Famulatur in der hausärztlichen Praxis. Die Studierenden bereiten sich mit dem Moodle-Kurs „Hausarzt-FAMULATUM“ auf die praktischen Kurstage vor. An den praktischen Kurstagen werden folgende Skills in Kleingruppen an wechselnden Stationen vermittelt: Erster praktischer Tag umfasst allgemeinmedizinisch relevante, strukturierte körperliche Untersuchungstechniken und Grundlagen der EKG-Ableitung. Zweiter praktischer Tag beinhaltet Wundversorgung mit Naht; Management von Notfällen in der Hausarztpraxis; Untersuchungstechniken im HNO Bereich – Schutzkleidung/Hygienestandards. Dritter praktischer Tag thematisiert Blutentnahme, Injektionstechniken, Versorgung mit Verweilkanüle; Methoden der Blutdruckmessung; Verbandstechniken. Die Kurse werden von Lehrbeauftragten des Institutes für Allgemeinmedizin und engagierten Hausärzten geleitet. Beim Peer-Teaching übernehmen erfahrene und gut ausgebildete studentische Tutor:innen die Anleitung der Teilnehmenden, während sie von den Hausärzt:innen supervidiert werden und Feedback erhalten. In jeder Kleingruppe gibt es ein bis zwei Tutor:innen sowie mindestens einen Hausärzt:in, dieunterstützt.

Wahlfach Praxisgründung

Um eine umfassende Darstellung des Themas Praxisgründung zu gewährleisten, wird das Wahlfach von zwei erfahrenen und langjährig niedergelassenen Kollegen geleitet. Ergänzt wird dies durch Beiträge von verschiedenen Expertinnen und Experten. Das Wahlfach zeichnet sich durch seine interaktive Gestaltung aus, was Raum für Fragen, Diskussionen und die Behandlung von weiteren, nicht ausdrücklich genannten Themen schafft. Das Wahlfach behandelt fünfte Themenblöcke, der letzte Abschnitt bietet die Möglichkeit, aufgrund der erlernten Inhalte eigene Konzepte vorzustellen und zu diskutieren. 

Im ersten Block liegt der Schwerpunkt auf der Weiterbildung, wobei wichtige Erkenntnisse von Vertretern der Landesärztekammer (Kosta und KostF) einfließen. Im zweiten Abschnitt wird die Niederlassung behandelt, unterstützt durch eine Niederlassungsberaterin der kassenärztlichen Vereinigung. Der dritte Block beschäftigt sich mit den Struktur- und Vertragsmöglichkeiten in der Praxis. Die Studierenden erlernen verschiedene Praxismodelle und beschäftigen sich mit Vertragsdetails und Kosten. Diese wird vom Lehrbeauftragten Rechtsanwalt Koller begleitet. Der vierte Block fokussiert auf die Praxisführung und erarbeitet Strategien für langfristigen Erfolg. Der fünfte Block behandelt Themen wie Versicherungen, Finanzen, Gesundheit und Resilienz. Zusätzlich besteht die Option, an einem freiwilligen Block teilzunehmen, um individuelle Businesspläne für zukünftige Praxen vorzustellen.

Fakultatives Wahlfach "Balintgruppe für Studierende"

In dem Wahlfach Balint erhalten Studierende die Gelegenheit, sich in einer unterstützenden und reflektierenden Umgebung mit sämtlichen persönlichen, berufsbezogenen Themen auseinanderzusetzen. Diese Themen können die Herausforderungen umfassen, die mit dem Übergang vom Studium in die klinische Praxis verbunden sind, wie beispielsweise der Umgang mit Patienten, Konflikte auf Stationen oder persönliche Schwierigkeiten während des Studiums. Ebenso wird die Reflexion über die eigene Rolle als Behandler:in und deren Bedeutung für das persönliche Erleben ermöglicht.

Die im Wahlfach angewandte Methode ist die Balintgruppenarbeit. Hierbei erzählt ein Teilnehmer:in von einer problematischen Situation oder Beziehung, etwa zu einer Patient:in, und die Gruppe ist aufgefordert, ihre Empfindungen, Gedanken und Eindrücke dazu auszutauschen. Durch diesen Prozess entsteht ein vertieftes Verständnis des Problems, was neue Perspektiven und Lösungsansätze eröffnen kann.

Der Kurs wird von Dr. med. Wolfgang Baumgartner geleitet, einem Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Ausbilder bei der Deutschen Balintgesellschaft.

Fakultatives Wahlfach "Medizin trifft Recht"

Das Wahlfach „Medizin trifft Recht“ zielt darauf ab, dass wesentliche rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Patientenversorgung, der zukünftigen ärztlichen Tätigkeit und Praxisführung von Studierenden erarbeitet werden, beispielsweise durch Recherche oder Interviews mit den Referenten. Das Seminar umfasst verschiedene Themenblöcke, darunter Medizinrecht und ärztliches Berufsrecht (Konsequenzen bei Pflichtverletzungen, Berufsrecht und Überblick über Berufspflichten, Arbeitsrecht, Niederlassungsrecht, Wirtschaftlichkeit), Arzthaftungsrecht (Unterscheidung zwischen Zivilrecht und Strafrecht im Kontext der Arzthaftung, Verhältnis von Behandlungsfehlern, Aufklärungsfehlern und Dokumentationsfehlern, Bedeutung der Haftpflichtversicherung (Unterschiede zwischen Anstellung und Selbstständigkeit)), Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht (Rechtsgrundlagen, Sterbehilfe, Umgang mit einwilligungsunfähigen Patienten, rechtliche Aspekte bei der Betreuung von Minderjährigen), Niederlassungsmöglichkeiten sowie Abrechnung (Vor- und Nachteile verschiedener Praxisformen), Regresse und Werbung. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit zu Zusatzthemen (Kindeswohlgefährdung, Aufklärung über Behandlung, freiheitsentziehende Maßnahmen, Patientenrechtegesetz)

Das Seminar wird von Dr. med. Riedl, einem Arzt und Wirtschaftswissenschaftler, Christian Koller, einem Fachanwalt für Medizinrecht sowie PD Dr. med. Sybille Kraus, Allgemeinärztin in eigener Praxis und Rechtsmedizinerin geleitet. 

 

Impressionen aus den Wahlfächern